Saisonale Themen

Venenleiden (Juni 2017)



Wer nach einem langen Tag mit sitzender oder stehender Tätigkeit unter schweren und geschwollenen Beinen leidet, hat bei der momentanen Wärme meist noch mehr Probleme. Zudem ist die Sommerzeit auch Reisezeit , d.h.  die meist (unfreiwillig) langen Fahrten oder sogar Flüge zum Urlaubsziel bergen das Risiko für Reisethrombosen.

Etwa die Hälfte aller Deutschen haben Probleme mit ihren Beinvenen. Die Beine sind abends geschwollen und Besenreißer oder Krampfadern sind zudem sichtbar. Um gefährliche Komplikationen zu vermeiden, ist bei vielen im Laufe des Lebens eine Therapie erforderlich.

Wie Venen funktionieren
Venen transportieren das Blut aus dem Körper zurück zum Herzen. Dabei arbeiten Sie mit Hilfe der sogenannten Muskelpumpe gegen die Schwerkraft. Durch die Bewegung der Beinmuskeln wird das Blut der tiefen Beinvenen kraftvoll zum Herzen gepumpt. Zusätzlich verhindern die Venenklappen, die wie Rückschlagventile funktionieren, ein zurückfließen des Blutes, so dass es nicht in den Beinen „versackt“.

Damit die Venenklappen gut funktionieren muss das Bindegewebe ausreichend gespannt sein. Ist der Rückfluß gestört, weil die Klappen nicht mehr fest schließen, sammelt sich Blut in den oberflächlichen Venen und Krampfadern werden sichtbar. Ist die Stauung so stark, dass auch Flüssigkeit in das Gewebe austritt, schwillt das Bein an. Der Mediziner spricht von Ödemen, umgangssprachlich heißt es oft „Ich habe Wasser in den Beinen“.

Ursachen
Venenerkrankungen sind erblich bedingt und Frauen leiden aufgrund ihrer Bindegewebsstruktur häufiger als Männer an Venenveränderungen. Aber auch die Lebensumstände wie Alter oder Schwangerschaft spielen bei der Entwicklung eines Venenleidens eine Rolle.
Zu den wichtigsten lebensstilbedingten Risikofaktoren gehören:
- Bewegungsmangel und/oder stehende, bzw. sitzende Tätigkeit
- Lange Reisen in eingeschränkter Sitzposition (Reisethrombose), z. B. im Flugzeug, Bus oder Auto
- Starker Wärmeeinfluss (Sonnenbad, Sauna)
- Übergewicht (hoher BMI)
- Einengende Kleidung und zu enge Schuhe
- Übermäßiger Tabak- und/oder Alkoholkonsum

So beugen Sie Venenleiden vor
Die Liste der Risikofaktoren macht schnell deutlich: Sie haben viel selbst in der Hand und viele Möglichkeiten, mit einfachen Mitteln Venenleiden vorzubeugen.
Als Eselbrücke gilt die LLSS –Regel: Lieber Laufen und Liegen statt Sitzen und Stehen.
Zusätzlich reduziert sich mit jedem Kilo, das abgenommen wird, der Druck auf die Gefäßwände.
Was kann ich noch tun?
- morgens und abends beide Beine von unten nach oben kalt abduschen
- im Liegen die Beine hoch zur Kerze strecken
- Radfahren auf dem Rücken
- täglich 15 Minuten ununterbrochen gehen, so kann die Muskelpumpe das Blut gegen die Schwerkraft nach oben drücken
- ausreichend Wasser trinken
- nicht zu lange in überhitzten Räumen aufhalten
- geeignete Sportarten sind z.B. Yoga, Pilates oder Schwimmen

Venenmessung in der Apotheke
Für ein erstes Screening bietet sich eine Venenmessung in der Apotheke an.  Dabei kommt ein sogenanntes Lichtreflexionsrheografie-Gerät (kurz LRR) zum Einsatz, das mit Hilfe von Infrarotlicht die Wiederauffüllzeit der Venen misst. Diese Auffüllzeit erlaubt eine Beurteilung der Funktionsfähigkeit der Venenklappen und damit des Zustands des Venensystems.

Die Messung dauert ca. 15  Minuten und ist absolut schmerzfrei.

Sind aufgrund der Ergebnisse weiterführende Untersuchungen notwendig, hat der Facharzt die Möglichkeit, mittels Ultraschall sogar Form und Aufbau der Venen zu untersuchen und so besonders eindeutige Ergebnisse zu erhalten.

Sind Besenreiser nicht nur ein kosmetisches Problem?
Nur gesunde Venen können ihre enorme Leistung, das täglich verbrauchte Blut entgegen der Schwerkraft zurück zum Herzen zu transportieren, bewältigen. Deshalb sollten Krampfadern, Venenentzündungen oder schmerzende Beine nicht als kosmetisches Problem abgetan werden.
Venenerkrankungen beziehungsweise Krampfadern entstehen in der Regel allmählich, oft am Anfang unbemerkt. Wenn sich deutlich sichtbare Veränderungen gebildet haben oder entsprechende Beschwerden auftreten, ist eine vollständige Rückbildung der Venenerkrankung nicht mehr möglich.
Allerdings kann dann durch Arzneimittel, physikalische Behandlungen und Kompressionsstrümpfe dafür gesorgt werden, dass die Venenerkrankung nicht fortschreitet und immer größere Bereiche erfasst. Das Aufhalten der Erkrankung ist bei Venenleiden schon ein großer Erfolg, da sonst bei Fortschreiten der Erkrankung die gefürchteten Komplikationen der Krampfadern auftreten können: Beingeschwüre und offene Beine, Thrombosen, Schmerzen und Wassereinlagerungen.

Kompressionstherapie
Der Druck des Kompressionsstrumpfes verengt den Venendurchmesser, die Venenklappen können wieder schließen. Auch Flüssigkeit kann durch den Druck von außen nicht mehr ins Gewebe austreten. So werden nicht nur Thrombosen durch die erhöhte Fließgeschwindigkeit des Blutes vermieden, sondern auch Ödeme und offene Beine.
Kompressionsstrümpfe unterscheiden sich in der Festigkeit des Materials und werden in verschiedene Kompressionsklassen eingeteilt. Je nach Ausprägung der Symptome werden Strümpfe mit leichter Kompression (Klasse I) oder bis hin zu sehr starker Kompression (Klasse IV) eingesetzt.
Allerdings gibt es auch Situationen, in eine Kompressionstherapie nicht sinnvoll oder möglich ist, wie z.B. bei nässenden Hautproblemen oder arteriellen Durchblutungsstörungen.
Kompressionsstrümpfe werden vom behandelnden Arzt verschrieben, wenn er ihre Notwendigkeit festgestellt hat. Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für 2 Paar pro Jahr.
Für besondere Situationen, wie z.B. auf Langstreckenflügen wird auch gesunden Menschen das Tragen klinisch getesteter Stützstrümpfe empfohlen. Auch immer mehr Sportler, z.B. Jogger nutzen die unterstützende Wirkung dieser Strümpfe, um schmerzenden und geschwollenen Beinen vorzubeugen.

Arzneitherapie
In der Arzneitherapie der Venenleiden werden v.a. sogenannte Ödemprotektiva eingesetzt. Sie dichten die Gefäßwand ab, verhindern so die Ödembildung und verbessern gleichzeitig die Fließeigenschaften des Blutes sowie die Sauerstoffversorgung. Sie lindern so die spürbaren Symptome wie schwere Beine, nächtliche Krämpfe und schmerzen. Sie können alleine oder zusätzlich zu einer Kompressionstherapie angewendet werden.
Die Ödemprotektiva enthalten Wirkstoffe, die aus Pflanzen wie dem roten Weinlaub oder der Rosskastanie gewonnen werden. Es gibt diese Präparate sowohl als Tabletten als auch als Cremes oder Gele, die zusätzlich einen kühlenden Effekt haben.
Damit die pflanzlichen Wirkstoffe ihre Wirkung voll entfalten können, ist eine ausreichend lange Einnahmedauer (2-3 Monate) wichtig.

Sprechen Sie uns an, wir beantworten gerne Ihre individuellen Fragen und beraten Sie zu Ihrem persönlichen Anliegen!
 

 

Heuschnupfen Saison

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen verabschiedet sich der Winter, die Natur wacht endlich wieder auf. Bäume und Sträucher werden wieder grün und überall beginnt es zu blühen.
Doch nicht für alle ist dies Grund zur Freude. Denn mit den sogenannten Frühblühern wie Erle, Hasel oder Birke beginnt auch die Heuschnupfen-Saison, die mit juckenden und brennenden Augen, Niesen und verstopfter Nase den Betroffenen das Leben schwer macht.

Ursache
Doch was passiert bei dieser häufigsten Erkrankung des Immunsystems im Körper?
Bei einem Allergiker nimmt das Immunsystem fälschlicherweise an, dass eine an sich harmlose Substanz, z.B. Pollen, eine Gefahr für den Körper darstellen. Der Körper produziert nach dem ersten Kontakt ein Gegengift, einen sogenannten Antikörper, das Immunglobulin E – kurz IgE. Bei einem zweiten Kontakt binden die spezifischen IgE-Antikörper das Allergen und aktivieren die sogenannten Mastzellen. Diese schütten darauf hin Histamin aus, das eine Entzündung im Körper als Schutzreaktion auslöst. Histamin erweitert die Blutgefäße, so dass die Schleimhäute anschwellen – wir merken dies bei der allergischen Rhinokonjunktivitis – wie der Heuschnupfen in der Fachsprache heißt – z.B. an einer zugeschwollenen Nase und juckenden Augen.
Auch wenn diese Symptome in der Regel nicht lebensbedrohlich sind, so ist doch die Lebensqualität der Heuschnupfen Geplagten stark beeinträchtigt.

Allergenvermeidung
Eine Therapie ist nicht nur wichtig, um die Symptome zu lindern, sondern auch um einen sogenannten Etagenwechsel zu vermeiden, bei dem die Allergie von den oberen in die unteren Atemwege wandert und sich aus dem Heuschnupfen ein allergisches Asthma entwickeln kann.
Es ist also wichtig, die Beschwerden nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sich damit abzufinden, sondern bei entsprechender Symptomatik den Auslöser der Allergie abklären und behandeln zu lassen.
Da der gebildete Antikörper, das IgE , spezifisch für jedes Allergen ist, kann der Arzt feststellen, ob man gegen bestimmte Bäume, Gräser, Tierhaare oder auch Hausstaub allergisch ist.
Wenn man den „Übeltäter“ kennt, sollte man wenn irgend möglich den Kontakt vermeiden. Man spricht von der sogenannten Allergenkarenz, der ersten Säule von drei Säulen in der Therapie der Allergie.

Praktische Tipps
Bei einer Pollen-Allergie wird das zwar schwer möglich sein, aber mit ein paar praktischen Tipps können Sie Ihre Beschwerden bei Heuschnupfen zumindest ein wenig lindern:
Wählen Sie für Sport aber auch fürs Lüften die richtige Tageszeit! Auf dem Land ist der Abend am besten geeignet, in der Stadt ist am Morgen die Pollenbelastung geringer. Oberbekleidung zieht man am besten schon im Flur aus und auch die Haare am Abend zu waschen, reduziert die Pollenbelastung im Schlafzimmer. Mit einer Nasendusche können die Nasenschleimhäute zusätzlich von den Pollen befreit werden. Denken Sie auch an die Pollenfilter in der Klimaanlage im Auto und im Staubsauger. Nach einiger Zeit sind sie zugesetzt und können nicht mehr so effektiv filtern wie zu Beginn.
Informieren Sie sich in der Tageszeitung, im Internet oder einer Wetter-App über die aktuelle Pollenflug-Vorhersage und planen Sie Ihre Aktivitäten entsprechend.
Häufig treten auch Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln auf. Auch hier gilt es die „Übeltäter“ zu kennen und möglichst zu meiden!

Therapiemöglichkeiten
Die 2. Säule der Therapie ist die Linderung der Symptome. In der Beratung werden die Arzneimittel entsprechend den aktuellen Therapieleitlinien nach Dauer und Schwere der Erkrankung ausgewählt.
Bei leichten, saisonalen Formen werden zu meist sogenannte Antihistaminika, als Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen eingesetzt. Diese Arzneimittel verhindern, dass das von den Mastzellen freigesetzte Histamin an seine Rezeptoren binden kann und die juckenden Augen und verstopfte Nase verursacht. Die Wirkung der Tabletten spürt man nach ca. einer Stunde, die der Nasensprays und Augentropfen sogar schon nach 15 Minuten. Diese Arzneimittel können bei Bedarf eingesetzt werden, bei häufigeren Beschwerden empfiehlt sich aber die einmal tägliche Tabletten-Einnahme. Die neuen Wirkstoffe Loratadin und Cetirzin machen auch nicht mehr müde wie ältere Substanzen, d.h. die Einnahme muss nicht abends erfolgen.

Übrigens ist der Einsatz der üblichen abschwellenden Nasensprays, die bei Erkältungen zum Einsatz kommen, bei Heuschnupfen nicht sinnvoll, da sie die Wirkung des freigesetzten Histamins nicht verhindern, d.h. ihr abschwellender Effekt ist nur von sehr kurzer Dauer. Zudem sollen sie nicht länger als 5-7 Tage angewendet werden, um eine Gewöhnung zu verhindern. Die Heuschnupfen Belastung hält bei den meisten Betroffenen jedoch deutlich länger an.
Bei schweren Verläufen oder wenn die Beschwerden öfter als an 4 Tagen die Woche auftreten bzw. länger als 4 Wochen andauern sind Glucocorticoide als Nasensprays Mittel der 1. Wahl. Sie lindern Symptome so zuverlässig wie Antihistaminika. Zusätzlich unterbinden sie die Entzündung, die im Körper stattfindet. Obwohl es Nasensprays sind, werden Sie nicht im Bedarfsfall genutzt, sondern müssen, um wirken zu können, unbedingt regelmäßig angewendet werden. Bis man die Wirkung spürt vergehen hier mehrere Tage!
Trotz der guten Wirkung, erzeugen die Nasensprays keine Nebenwirkungen wie sie von Kortikoiden gefürchtet werden. Im Gegensatz zur Einnahme von Tabletten bleibt der Wirkstoff beim Nasenspray auf der Nasenschleimhaut und geht nicht in die Blutbahn und somit auch nicht in den ganzen Körper über. Durch diese lokal begrenzte Wirkung kann der Wirkstoff auch sehr gering dosiert werden, ein weiterer Grund, warum Nebenwirkungen praktisch auszuschließen sind.

Hyposensibilisierung
Als dritte Säule der Therapie ist bei einigen Allergien, z.B. Gräsern eine sogenannte spezifische Immuntherapie – auch als Hyposensibilisierung bezeichnet – möglich. Diese bekämpft nicht nur die Symptome wie die zuvor genannten Arzneimittel, sondern schwächt den Grad der Allergie ab. Für diese Therapie benötigt man allerdings einen langen Atem und muss
bereit sein, die Therapie für 3 Jahre durchzuführen. Bei vorzeitigem Abbruch der Therapie kann keine Wirkung erzielt werden.

Gerne beantworten wir Ihre Fragen, damit Sie gut durch die Allergiezeit kommen!